Aggregation Eine Analyse und Systematisierung.

Aggregatoren sammeln Milliarden von Internetseiten, Fotos oder Nutzerprofilen, auch TV-Sender und Zeitungen aggregieren Inhalte. Dadurch kommen Nutzer jeden Tag auf unterschiedliche Art und Weise mit Aggregation in Berührung. Das Thema Aggregation ist präsenter denn je, aber wer sind die Player, wie funktioniert sie und was sind die Geschäftsmodelle?

Bertram Gugel

Ausgangssituation – Die Player. 

Die chronologische Entwicklung der Aggregations-Landschaft illustriert anhand der Produkte, Angebote und Kooperationen der beteiligten Player. Linien symbolisieren Produkte und Angebote. Stopps an Stationen stehen für die Bereitstellung des Produkts oder Angebots über die benannte Station. Lese-Beispiel: Die Linie “RTL Fernsehen” stoppt an der “Kabel”-Station im Januar 1984 bedeutet, dass RTL seit Januar 1984 sein Fernsehprogramm über Kabel verfügbar macht.

Aggregation – Die Bestandteile. 

Aggregation ist ein weit gefasster Begriff, der das Zusammenfassen von Inhalten zu größeren Einheiten beschreibt [vgl. Wikipedia]. Bei dieser Definition ist es nicht verwunderlich, dass Aggregation und damit Aggregatoren ganz unterschiedlich interpretiert werden und oft verschiedene Konzepte unter diesem Oberbegriff diskutiert werden. Um den Begriff Aggregation greifbarer zu machen, bietet es sich an, die Bestandteile der Aggregation zu erläutern und davon ausgehend drei Formen der Aggregation zu unterscheiden. Grundlegend lässt sich Aggregation in fünf Bestandteile zerlegen: Angebot, Auswahl, Zugang, Nachfrage und Wertschöpfung. Diese fünf Bestandteile ergeben je nach Ausprägung drei zu unterscheidende Arten der Aggregation: selektive Aggregation (Bündel), umfassende Aggregation (Plattformen) und übergeordnete Aggregation (Ökosysteme).

Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Das Angebot prägt maßgeblich den Charakter der Aggregation. Anzahl, Art, Homo- oder Heterogenität und vor allem Qualität der Inhalte entscheiden über die Akzeptanz des Aggregators. Die Auswahl bestimmt, wie sich das Angebot dem Nutzer präsentiert, daraus ergibt sich für ihn die Relevanz. Hierbei verfolgen die Anbieter unterschiedlichste Strategien von redaktioneller Auswahl über algorithmische Auswahl bis hin zur Selbstselektion der Nutzer aus einer nicht weiter beschränkten Fülle an Inhalten. Der Zugang wird zum einen durch die technische Reichweite der Aggregatoren, zum anderen durch deren Rolle bei der Befriedigung der Nachfrage bestimmt: Anbieter wie YouTube ermöglichen den direkten und umfassenden Zugang zu Inhalten. Vermittler wie z.B. Suchmaschinen verweisen lediglich auf Inhalte und vermitteln so zwischen Angebot und Nachfrage; Enabler wie Smartphone-Betriebsysteme sind noch weiter vorgelagert und erlauben es Vermittlern und Anbietern überhaupt erst mit Nutzern in Kontakt zu kommen. Die Nachfrage bestimmt die tatsächliche Reichweite des Aggregators und ergibt somit dessen Position am Markt. Nutzer befriedigen ihre Bedürfnisse oftmals durch eine Verkettung von Aggregatoren, die jeweils eine andere Funktion einnehmen. Verschiebungen der Nachfrage bedingen den Auf- und Abstieg unterschiedlichster Angebote in dieser Kette. Während der Zugang die Nachfrage in bestimmten Fällen steuern kann, nimmt die Macht der Nutzer mit jedem weiteren Weg zu einem Inhalt zu. Aggregatoren bedienen sich unterschiedlichster Formen der Wertschöpfung von Transaktionserlösen über Werbung bis hin zu Abonnements. Dabei haben sich für verschiedene Konfigurationen bestimmte Wertschöpfungsmodelle etabliert (werbefinanziertes Free-TV, transaktionsbasierte Video-on-Demand-Modelle).
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
  • Anzahl der verfügbaren Inhalte zu jeder Zeit (Angebotene Filme, Anzahl Programme, Umfang der Berichterstattung, abgedeckte Themen).
  • Qualität und damit auch Exklusivität der Inhalte (Bundesliga).
  • Herstellungskosten, Lizenzkosten der Inhalte.
  • Art der Auswahl: redaktionelle Auswahl und Kategorisierung, personalisierte Auswahl, algorithmische Auswahl.
  • Bereitgestellte Hilfsmittel bei der Auswahl (Vorselektion, Kategorisierung, Filter, Ranking, Sortierung).
  • Technische Reichweite und Verfügbarkeit des Aggregators auf unterschiedlichen Geräten, Plattformen und Ökosystemen.
  • Rolle des Aggregators: Enabler, Vermittler oder Anbieter und Grad der Integration dieser drei Rollen.
  • Adaption an Veränderungen in den Bedürfnissen und im Verhalten der Nutzer.
  • Verhältnis und Abhängigkeit von anderen Aggregatoren.
    Befriedigung diverser und breiter Nutzerbedürfnisse.
  • Direkte Kundenbeziehung und Ansprache der Kunden (Appstores vs. Angebote).
  • Geschäftsmodell: Werbefinanzierung, Abonnement oder Transaktionen.
    Lock-in-Effekte über Geräte, Lizenzen und Inhalte.
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
  • Günstigere Produktion (YouTube und YouTube-Netzwerke)
  • Exklusive, hochwertige Produktionen (HBO, AMC, Netflix)
  • Neue Arten von Inhalten (Apps).
  • Algorithmen zur Sortierung und Filterung (Page Rank)
  • Social Signals
  • Personalisierung (Facebook)
  • Aufstieg der Ökosysteme (iOS, Android)
  • Connected Devices (Smartphones, Connected-TVs)
  • Massive Reichweiten ausgewählter Marktteilnehmer (Facebook, Apple, Google, Amazon)
  • Mobile Shift
  • on demand Nachfrage
  • Tendenz zu Subscription-Modellen (Netflix)
  • Micropayments (In-App Purchases) erleichtern Transaktionserlöse
  • Kundenbeziehungen werden vom Inhalt und der Plattform getrennt (Appstores, Ökosysteme)
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Das Angebot umfasst eine klar definierte Anzahl an Inhalten gleichen Typs, die von Nutzern überschaut werden kann. Der Wettbewerb findet über die Qualität und die Exklusivität der Inhalte statt. Bei der selektiven Aggregation steht der Auswahlprozess im Mittelpunkt. Dieser Prozess definiert das Angebot und alle anderen Bestandteile der Aggregation ordnen sich diesem unter. Aufgrund des Fokus auf die Auswahl als Alleinstellungsmerkmal findet nur in sehr seltenen Fällen eine Kooperation mit umfassenden Aggregatoren statt. Dem Nutzer wird in der Regel keine inhaltliche Wahl gelassen; das Angebot ist vordefiniert. Der Zugang erfolgt über umfassende Aggregatoren, die meist mit anderen Aggegatoren gleichen Typs geteilt werden – anderen Anbietern jedoch verschlossen sind. Hierdurch haben selektive Bündel einen Wettbewerbsvorteil. Selektive Aggregatoren können sowohl Vermittler als auch Anbieter-Rollen einnehmen. Selektive Aggregatoren schaffen es, ein massenattraktives Programm zusammen zu stellen. Dank ihrer starken Präsenz, Bekanntheit und des in der Regel limitierten Wettbewerbs erfährt dieses Programm auch eine breite Nachfrage. Diese kann durch exklusive Inhalte weiter forciert werden. Die Wertschöpfung erfolgt über die komplette Bandbreite des Möglichen, wobei sich inhaltsspezifische Wertschöpfungscluster gebildet haben (Free-TV, Abo-Zeitungen, BILD Verkauf).
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Umfassende Aggregatoren haben unendlich viel Platz für Inhalte. Damit haben sie die Möglichkeit, eine umfangreiche Bibliothek an Inhalten zu erstellen. Sie beginnen in der Regel mit einem homogenen Angebot an Inhalten und bauen ihr Angebot heterogen aus. Umfassende Aggregatoren konkurrieren auf der Angebotsseite über die Fülle an Inhalten. Die Katalogtiefe ist neben dem Zugang das zentrale Alleinstellungsmerkmal. Umfassende Aggregatoren überlassen dem Nutzer die Auswahl. Um ihm die Auswahl zu erleichtern, werden ihm Hilfsmittel wie Suchfunktionen, Kategorien oder Empfehlungen zur Seite gestellt. Eine aktive Entscheidung des Nutzers ist in jedem Fall notwendig. Umfassende Aggregatoren versuchen eine möglichst weite Verbreitung zu erlangen, indem sie ihre Präsenz auf alle übergeordneten Aggregatoren ausdehnen, um so eine maximale technische Reichweite zu erlangen. Sie konkurrieren um prominenten Platzierungen und Einbindung. Umfassende Aggregatoren sind sehr heterogen in der Tiefe der Aggregation. Sie nehmen Anbieter oder Vermittler-Rollen ein. Umfassende Aggregatoren etablieren sich als zentrale Anlaufstellen für Nutzer in Inhaltskategorien oder für bestimmte Bedürfnisse. Indem sie möglichst alle Inhalte der Kategorie aggregieren, verdrängen sie in der Regel andere Anbieter, die über ein schlechteres Angebot und/oder eine schlechtere Auswahl verfügen. Alle Wertschöpfungsmodelle sind bei umfassenden Aggregatoren vertreten, wobei gerade Innovationen bei der Wertschöpfung von Nutzern honoriert werden wie zum Beispiel die Einführung von Abomodellen für Musik und Filme/Serien (Spotify & Netflix).
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Übergeordnete Aggregatoren bieten meist nicht direkt Inhalte an, sondern den Zugang zu umfassenden und selektiven Aggregatoren. Dabei können sie sowohl ein homogenes (Kabel, Satellit, Zattoo) als auch heterogenes (iOS, Android, SmartTV) Angebot an Aggregatoren bereit stellen. Übergeordnete Aggregatoren legen Regeln für die Auswahl fest. Innerhalb der vorhandenen Angebote wird die Auswahl dem Nutzer überlassen. Je nach übergeordnetem Aggregator werden dem Nutzer Hilfsmittel wie Suche, Filter und Programmführer zur Verfügung gestellt. Der Zugang zu übergeordneten Aggregatoren erfolgt – mit wenigen Ausnahmen – über Geräte oder Anschlüsse. Sie kontrollieren somit den ersten Kontakt zum Nutzer. Für einen übergeordneten Aggregator ist es essentiell, eine möglichst weite Verbreitung an Geräten und Anschlüssen sicher zu stellen. Nur so werden sie ihrer Enabler-Rolle gerecht. Sofern die Geräte und Anschlüsse genutzt werden, ist die Nachfrage gleich der technischen Verbreitung, denn die Nutzer können sich dem übergeordneten Aggregator nur sehr schwer entziehen. Die Nachfrage wird also maßgeblich durch die Infrastruktur bedingt. Der Wertschöpfung übergeordneten Aggregatoren liegen andere Mechanismen zu Grunde als umfassenden oder selektiven Aggregatoren. Die Wertschöpfung kann über nachgelagerte Angebote, über Gebühren von Anbietern und/oder Nutzern oder durch eine Quersubventionierung von Hardware oder Anschlüsse erfolgen. Oftmals nutzen sie mehr als eine Form der Wertschöpfung.
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
TV-Sender wie ProSieben, RTL oder ZDF bieten ein sehr eingeschränktes, homogenes Angebot. Zu jedem Zeitpunkt wird jeweils nur ein Inhalt angeboten. Im Tagesverlauf kommen die Sender auf 60-90 Sendungen, die meist qualitativ hochwertig produziert wurden. Dadurch dass zu jedem Zeitpunkt nur ein Inhalt angeboten wird, liegt die Auswahl komplett auf Seiten der TV-Sender. Ihre Kernkompetenz ist die Zusammenstellung der einzelnen Sendungen zu einem attraktiven Programm. Mittels Partnern wie Satelliten- oder Kabelnetzbetreibern haben TV-Sender eine große technische Reichweite. Dies ermöglicht ihnen einen umfassenden Zugang zu ihrem Publikum, wobei sie diesem gegenüber direkt als Anbieter der Inhalte auftreten. Die hohe technische Reichweite gepaart mit Markenbekanntheit, etablierten Mediennutzungsmustern und Marketing sorgen für eine sehr starke Nachfrage nach den Inhalten der TV-Sender. Diese wird zudem durch die Qualität des Programms und der Auswahl bestimmt. Die Wertschöpfung wird in Deutschland durch das werbefinanzierte Free-TV-Modell dominiert, das auf dem Verkauf von Werbezeiten basiert.
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Videoplattformen wie YouTube bieten ein umfassendes Angebot an Videos. Das Angebot wird dabei maßgeblich von den Partnern bestimmt, die ihre Inhalte über die Plattform verfügbar machen. Die Plattformen selbst versuchen durch ausgewählte Kooperationen und Incentivierungen die Richtung des Angebots zu steuern. Die Auswahl auf Videoplattformen erfolgt über Automatismen und Algorithmen, die den Nutzern zur Selbstselektion an die Hand gegeben werden. Die Suche und Personalisierung sind dabei die wichtigsten Hilfsmittel. YouTube und andere Videoplattformen bieten Nutzern Inhalte direkt an. Sie sichern sich den Zugang zu Nutzern, indem sie ihr Angebot auf einer vielzahl von Geräten verfügbar machen und zudem über Kooperationen eine prominente Platzierung des Angebots sicherstellen. Videoplattformen erzeugen dann eine große Nachfrage, wenn es ihnen neben der technischen Verfügbarkeit gelingt, ein Nutzerbedürfnis umfassend zu befriedigen. YouTube ist dies für die Achivfunktion, Tutorials und der Unterhaltung junger Zielgruppen gelungen. YouTube ist werbefinanziert und entlohnt die Inhalte-Partner erfolgsbasiert, nach Abzug seines eigenen Anteils.
Angebot Auswahl Zugang Nachfrage Wertschöpfung
Das Angebot mobiler Ökosysteme (Android/iOS) besteht aus einer heterogenen Mischung aus Apps und Medieninhalten, wobei über Apps zusätzlich eine fast uneingeschränkte Fülle an Inhalten angeboten wird. Mobile Ökosysteme treffen eine manuelle Auswahl von präferierten Apps, die vorinstalliert sind. Für die weitere Auswahl an Inhalten und Apps stellen sie Stores bereit, die eine Mischung aus redaktioneller Auswahl und Hilfsmitteln zur Selbstselektion darstellen. Mobile Ökosysteme haben direkten Zugang zu den Nutzern, da sie ein essentieller Bestandteil eines jeden Smartphones sind. Den Zugang zu Inhalten eröffnen sie einerseits direkt über ihre Stores und andererseits als Enabler, indem sie anderen Anbietern mittles Apps den Zugang zu ihren Nutzern ermöglichen. Die Nachfrage nach mobilen Ökosystemen bemisst sich einerseits nach der Attraktivität der Geräte, auf denen das Ökosystem implementiert ist, und andererseits nach dem verfügbaren Angebot innerhalb des Ökosystems. Bei der Attraktivität des Angebots haben Apps deutlich mehr Gewicht als Medieninhalte, die eher als Hygienefaktor dienen. Die Wertschöpfung innerhalb mobiler Ökosysteme erfolgt durch eine Beteiligung an den Transaktionserlösen innerhalb der Plattform. Zudem stellen die Anbieter mobiler Ökosysteme sicher, dass ihre Medieninhalte und Apps prominent platziert sind, was wiederum zu nachgelagerten Erlösen aus diesen Angeboten führt.

Funktionsweise – Die Inhalte. 

Selektive Aggregation – Gezielte Bündelung von Einzelinhalten.

Bei der selektiven Aggregation werden Inhalte zu einem interessanten Programm oder einer interessanten Ausgabe gebündelt. Dabei ist die Selektion das zentrale Element: Es ist genauso wichtig, welche Inhalte nicht enthalten sind, wie welche Inhalte zusammengestellt wurden. Erst aus dieser Auswahl entstehen lineare Programme wie ProSieben oder RTL mit den dazugehörigen Mediatheken und YouTube-Netzwerke wie Studio71, Mediakraft oder DiviMove. Daneben gibt es auch eine selektive Aggregation, die nicht eine Sammlung für Alle erstellt, sondern für jeden Nutzer ein individuelles Aggregat bereit hält, beispielsweise personalisierte Angebote wie Flipboard.

    Die Anzahl der verfügbaren Inhalte je Angebot linear skaliert in Relation zu allen anderen Angeboten. Die Helligkeitsstufen indizieren die Homo- bzw. Heterogenität des Angebots. Lese-Beispiel: ProSiebenSat.1 offeriert 6 TV Sender im Vergleich zu 12.500 Inhalten bei Watchever, die aus Serien und Filmen bestehen.

    Umfassende Aggregation - Sammeln so vieler Inhalte je Kategorie wie möglich.

    Dadurch dass Inhalte digital angeboten werden, gibt es keine klassischen Inventargrenzen mehr. Milliarden von Internetseiten, Fotos oder Nutzerprofilen lassen sich ebenso aggregieren wie Millionen von Songs und Videos oder hunderttausende Filme, Serien und TV-Inhalte. Umfassende Aggregatoren sammeln diese Inhalte auf unterschiedliche Weise vom reinen Verweis bis hin zur Bereitstellung der Inhalte, vom fast vollumfänglichen Katalog (Webseiten: Google, Musik: Spotify, Videos: YouTube) bis zu einer sehr lückenhaften Auswahl (Maxdome: TV-Inhalte), vom offenen Zugang (YouTube, Facebook, Google) bis zur selektiven Aufnahme (iTunes, Google Play, AppStores).

    Übergeordnete Aggregation – Ökosysteme sammeln Aggregatoren.

    Übergeordnete Aggregation ist kein neues Phänomen. Kioske sammeln verschiedene Zeitungen und Zeitschriften – Kabelnetzbetreiber Sender. Doch im Internet wird ihnen eine neue Rolle zu teil: Sie sind die Betriebssysteme der Multiscreen- und Multiplattform-Welt. Sie verbinden verschiedene Geräte, Mediengattungen und Anwendungsfälle und erlauben den nahtlosen Zugriff auf Inhalte in unterschiedlichen Kontexten. Im Gegensatz zu anderen Aggregatoren sammeln sie auf einer höheren Stufe. Einerseits aggregieren sie Nutzer(-daten) und Kaufkraft (über Kreditkarten- und Bankverbindungen), andererseits stellen übergeordnete Aggregatoren Zugang zu anderen Sammlungen bereit. Besonders neue Inhaltskategorien wie Apps ermöglichen es übergeordneten Aggregatoren, Zugang zu nahezu allen Arten von Inhalten anzubieten. Ein wichtiger Unterschied zu anderen Formen ist, dass sie deutlich tiefer integriert sind – meist umfasst ein übergeordneter Aggregator mindestens das Betriebssystem oder die Hardware. In dieser Kategorie konkurrieren etablierte Unternehmen wie Kabelnetzbetreiber und Telekommunikationsunternehmen (Kabel Deutschland, Deutsche Telekom) mit Technologie-Konzernen wie Apple, Amazon, Google und Microsoft.

    Wertschöpfung – Die Geschäftsmodelle. 

    Die Wertschöpfung der Player visualisiert auf Basis des Umsatzes, der Nutzer und des Umsatzes pro Monat pro Nutzer. Lese-Beispiel: Die “Google Suche” hat 53,4 Millionen Nutzer in Deutschland, erzielt damit einen Umsatz von €1,914 Mrd. pro Jahr, was einem Umsatz von €2,99 pro Nutzer im Monat entspricht. Hinweis: Zu Illustrationszwecken werden in dieser Grafik nach unterschiedlichen Methoden erhobene Zahlen miteinander verglichen, dies ist somit eine verkürzte Darstellung. Eine genaue Aufschlüsselung der Zahlen findet sich in folgender Tabelle, Quellenangaben am Fuß dieser Seite.

    In Deutschland dominieren die werbefinanzierten Geschäftsmodelle bei allen drei Aggregationsformen. Allerdings unterscheidet sich die Wertschöpfung pro Nutzer noch deutlich. Erzielen umfassende Aggregatoren meist nur Cent-Beträge, können selektive Aggregatoren mehrere Euro pro Monat und Nutzer erzielen. Besonders interessant dürften in Zukunft zwei Fragestellungen sein: Erstens wird sich zeigen, ob die Umsätze je Nutzer bei umfassenden Aggregatoren wie Facebook und YouTube steigen und zweitens, ob es einem der Transaktions- oder Abonnement-Angebote gelingt, signifikante Nutzerzahlen zu erreichen. Dies ist mit Abonnements bis jetzt nur SKY gelungen, das dank seiner hochwertigen Inhalte den mit Abstand höchsten Umsatz je Nutzer erzielt.

    Daten zu den behandelten Angeboten

    Ausblick – Die Schlussfolgerungen. 

    Selektive Aggregation: Im Wettstreit mit umfassenden Aggregatoren und Algorithmen.

    Die selektive Aggregation erfährt aus zwei Richtungen Veränderungsdruck. Es gibt neue Wege die Aggregation vorzunehmen, so dass zum Beispiel die Bündel nicht mehr von einer Redaktion, sondern von einem Algorithmus zusammen gestellt werden. Die anderen treibenden Kräfte der Veränderung sind umfassende Aggregatoren (YouTube, iTunes, Google Play), die nicht mehr beschränkt sind in ihrem Angebot und somit nahezu alle Inhalte anbieten können. Als Antwort auf diese Entwicklung kooperieren selektive Aggregatoren häufig und vielfältig mit übergeordneten Aggregatoren (iOS, Android).

    Umfassende Aggregation: Immer mehr Nutzer und Inhalte doch der Überblick fehlt.

    Umfassende Aggregation ist die neuste Form der Aggregation; erst durch die Digitalisierung wurde es möglich, Hunderttausende, Millionen oder gar Milliarden von Inhalten zu aggregieren. Da umfassende Aggregatoren die Auswahl den Nutzern überlassen, stehen sie in starkem Gegensatz zu selektiven Aggregatoren. Dies ist in der zentralen Rolle der Auswahl begründet. Indem umfassende Aggregatoren den Nutzern die Auswahl aus vielen Einzelstücken ermöglichen, wird die maßgebliche Leistung der selektiven Aggregation entweder Algorithmen oder den Nutzern überlassen. Aus diesem Gegensatz erklärt sich, dass es kaum Kooperationen zwischen den beiden Gruppen gibt. Hinzu kommt, dass umfassenden Aggregatoren eine Winner-Takes-all-Mechanik zugeschrieben wird, die in Deutschland für Google bei der Suche, für YouTube bei Videos und für Facebook bei Nutzerprofilen gegriffen hat. Auch für andere Bereiche wird somit oft erwartet, dass nach einer Konsolidierung nur ein dominierender Anbieter je Inhaltstyp und Rolle existieren wird. Allerdings müssen die umfassenden Aggregatoren erst noch nachweisen, wie wertvoll die unendliche Fülle an Inhalten im Einzelfall ist. Die Übertragung der Auswahl auf den Nutzer klappt noch nicht bei jedem Angebot – adäquate Hilfsmittel wie der Google Pagerank bei der Suche fehlen für andere Inhaltskategorien. Immer öfter gehen umfassende Aggregatoren zudem dazu über, sich gezielt durch ausgewählte, qualitative Inhalte zu differenzieren (Netflix durch House of Cards, Amazon durch Alpha House, YouTube durch die original channels).

    Übergeordnete Aggregation: Verschiebung der Machtverhältnisse?

    Übergeordnete Aggregatoren nehmen eine Sonderrolle ein: Einerseits ist der Aufbau von übergeordneten Aggregatoren aufgrund der Software- und Hardware-Komponente mit massiven Investitionen verbunden. Das hat zur Folge, dass sich die Konkurrenzsituation auf wenige Oligopole reduziert, die den Zugang zu den Nutzern kontrollieren. Andererseits fällt ihnen dank der Aggregation von Nutzern, Kaufkraft und Sammlungen die Kooperation sowohl mit selektiven als auch mit umfassenden Aggregatoren leicht. Zu beobachten ist jedoch eine Verschiebung der Machtverhältnisse. Weil sich die Skalen durch die Digitalisierung massiv verändern – Android und iOS offerieren beide über eine Million Apps –, ist die Präsenz einzelner umfassender oder selektiver Aggregatoren für den Erfolg dieser Angebote nicht mehr relevant. Auch die vorhandene Auswahl an Medieninhalten spielt lediglich eine nachgelagerte Rolle. Diese übergeordneten Aggregatoren haben somit eine extrem starke Position.

    Eine deutlich schwächere Position haben dagegen übergeordneten Aggregatoren wie Zattoo, Magine oder Aereo, die versuchen virtuelle Ökosysteme auf Basis existierender Netze und Hardware aufzubauen. Besonders im TV-Bereich werden seit Jahren virtuelle MVPD (Multichannel Video Programming Distributor) diskutiert. Da diese Anbieter keinen direkten Zugang zu den Nutzern haben, müssen sie entweder eine enorme Reichweite über die Attraktivität des Produkts erlangen oder ein Premium bezahlen bevor sie andere Aggregatoren davon überzeugen können mit ihnen zu kooperieren. Magine und Co. bezahlen so zum Beispiel die Sender für das Recht ihr Aggregat zu verbreiten statt wie im Kabel die Sender die Netzbetreiber.

    Credits

    Autor und Konzept: Bertram Gugel

    Interaktive Visualisierungen: Studio NAND


    Im Auftrag der Medienanstalt Berlin Brandenburg

    Quellen

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    Amazon Prime Instant Streaming
    Amazon Prime Instant Streaming DE
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